Benno - nen besseren wirds nie geben!Nur der Gedanke an die Zeit und die Gesellschaft mit Benno lässt es mir kalt den Rücken runter laufen und über all Gänsehaut bekommen.
Teil 2: Endlich mein Hund
Benno ging direkt durch ins Wohnzimmer und legte sich auf unser Sofa, so als wäre auch er endlich angekommen. Von da an waren wir ein Herz und eine Seele die nie wieder ohne einander konnten.
Der erste offizielle Spaziergang aus unserer Tür war die reinste Katastrophe. Warten bis die Tür weit genug offen ist, die Leineführigkeit beachten und auf andere Rücksicht nehmen. Ja, gewissen Regeln die Benno scheinbar als absolute Fremdwörter verstand. Kaum war die Tür einen Spalt weit offen, stürmte er hinaus, ich schlug mit der Schulter gegen die Tür, stürzte halb die Treppen hinunter und landete auf meinen Knien auf den schönen Pflastersteinen. Ich war von 0 auf 180. So groß die Freude auch war, so wichtiger waren mir die Erziehung und der problemlose Umgang mit meinem Hund. Ab diesem Tag trainierten wir unerbitterlich immer wieder das kontrollierte Bewältigen der ersten Schritte vor dem Spaziergang. Er hatte zu warten bis die Tür offen stand und ich das Kommando zum Rausgehen gab. Danach gab es ein weiteres Kommando um die Treppe in langsamem Tempo hinunterzugehen. Keine 3 Tage und Benno wußte genau dass es ein ewiges Geduldsspiel werden konnte wenn er nicht hörte. So sturr wie er war, so faul war er auch. Lieber alles richtig machen und schnell zum Gassi gehen aufbrechen, als stundenlang mit mir zu kämpfen.
Hatten wir dieses Problem gemeistert so traten noch einige andere auf. Doch es gab keine Zeit in der ich meine Entscheidung bereute.

Beim Spiel mit Stöckern und Bällen mußten wir lange Zeit immer wieder neu ausdiskutieren wer der Boss in dem Team war und welche Regeln streng zu gelten hatten. Zu Beginn schnappte er lauter Gier nach dem Stock, ohne auch nur im entferntesten darüber nach zudenken das sich evtl. irgendwo eine Hand befinden konnte, die den Stock so lange in der Luft hielt. Einige Schrammen und Diskussionen später spielten wir uns allerdings immer mehr ein. Benno lernte auch hier zu warten bis ich das Kommando gab und hatte somit viel mehr Spass am Spiel und entspannte sich immer mehr. Nun brauchte er keine Angst mehr haben den Ball oder den Stock zu verlieren, denn ich setzte die Regeln und somit gab ich auch die Sicherheit dass ihm alles erhalten blieb. Die wenigsten hätten gedacht, das der Hund, den man nie aber auch wirklich nie ohne Tennisball anzutreffen vermochte nun seinen Ball mitten im Gelände verlor und ihn erst Tage später wieder mit nahm, wenn er denn gerade Lust hatte. Das Spiel mit dem Ball blieb natürlich immer sein absolutes Lieblingsspiel - jedoch nun mit anderen Prioritäten.
Die lustigsten und auch schmerzhaftesten Erlebnisse waren immer noch, wenn man gemütlich die Feldwege daher schritt und man plötzlich exakt in Kniehöhe von einem dicken Baumstamm erfasst wurde und unglücklicherweise einfach mal aus den Schuhen gezogen wurde. Benno hatte die Angewohnheit nicht Stöcker, wie andere Hunde, sondern direkt ganze Bäume mitzuschleppen. Baumstämme mit einem Durchmesser von 15cm war da keine Seltenheit. Zuvor angeknackste umgefallene Bäumen fingen jedes mal seine volle Aufmerksamkeit ein, so dass er versuchte an jeglichen Bäumen zu zerren, bis er sie hintersich herschleppte. Kopf schütteln oder lautes Gelächter waren die häufigsten Reaktionen entgegenkommender Personen. Gelegentlich auch panische Blicke der Fahrradfahrer wenn Benno mit seiner Straßensperre und seinem Dickschädel nicht mal die Anzeichen eines Ausweichens zeigte. Mit dem Kopf durch die Wand, das Motto galt ja schon früher immer. *G*
So oft wir auch an einander gerieten und oft für längere Zeitabschnitte nicht von der Stelle kamen, weil der letzte Machtkampf noch nicht entschieden war, so hatten wir immer Spaß an der gemeinsamen Arbeit.
Stets wichtig für mich war, dass wir uns nicht nur verstanden, sondern das er mich als Rudelführer akzeptierte und mein Wort Gesetz ist. Mir bedeutete sehr viel dass ich mit ihm zuverlässig und entspannt arbeiten konnte.
Abends saßen wir dann zusammen vorm TV und schauten alle möglichen Sendungen. Dabei lag er laut schnarchend auf meinen Füßen und ließ sich kraulen. Bei einigen Serien kamen mir so lustige Ideen, wie das Tot stellen. Also trainierte ich mit Benno immer wieder das er sich flach auf die Seite legen mußte wenn ich "Tot" sagte. Er lernte schnell, wenn er auch Lust dazu hatte. Nach ein paar Versuchen verstand er was ich meinte und führte gewissenhaft die Übung aus.
Danach brachte ich ihm noch das Pfötchen geben mit beiden Pfoten abwechselnd bei. Er machte alles mit Freude mit und verlernte nichts. Wobei man natürlich seinen absolut eigensinnigen Sturrkopf nicht vergessen durfte. An einem Tag lernte er spielend leicht und am anderen schaute der einen von oben herab an und man konnte seine Gedanken genau in seinen Augen lesen "Also heute spinnt die Frau doch wieder. Als wenn ich mich jetzt hier tot stelle. Geh ich halt einfach woanders hin." Absolut frech, aber immer liebenswert.
Innerhalb der folgenden Jahre wuchsen wir alle immer mehr zusammen. Benno und ich waren eh von vornherein das eingeschworene Team und am Ende gehörte er einfach nur mit in die Familie und die Familie sichtlich zu ihm. Viele lustige Urlaube haben wir erlebt, wobei man heute einen wohl niemals mehr vergessen wird.

Nikolsdorf- Österreich - Kanu Camp
Wie jedes Jahr waren auch wir mit der ganzen Familie samt Hunde dabei. Eines Nachmittags sitzen wir an einer riesen Runde am Mittagstisch und genießen das Essen. Da kommt einer der Fahrtenleiter auf seiner Patrouille vorbei und geht auf Benno zu. Er knurrt und fletscht die Zähne und versucht somit genau klar zu stellen, das er keinen Kontakt mit ihm erwünscht. So ging ich hin, holte ihn samt Leine zu mir und aß nichts ahnend weiter. Die Situation war entschärft, der Besucher weit genug weg, da brauchte ich mir ja keine Sorgen machen. So weit zur Theorie. In der Praxis kam jedoch dieser Mann hinter mir her und versucht sich zu Benno herunterzubeugen und ihn anzufassen, da er vorher schon drohte und ihm die Person nun doch zu Nahe kam, schnappte er nach seiner Hand. Unglücklicherweise fing die Hand an zu bluten und entzündete sich innerhalb der nächsten Tage. Einige Krankenhausbesuche gingen vor rüber, eine Unterhaltung zwischen der Person und meiner Familie fand statt und dann kam das Grauen. Plötzlich, von einem Tag auf den Anderen, sollte Benno gefährlich und bissig sein, der mit Absicht zugebissen hatte. Zahlreiche Falschaussagen trafen bei uns ein, wo die eine Geschichte schlimmer und aufgebauschter war wie die andere. So ging die ganze Geschichte vor Gericht.
In dieser Zeit mussten wir mit Benno zum Amtstierarzt, danach zum Ordnungsamt (dort wurde er als absolut nicht bissig beurteilt) und anschließend vor 2 verschiedene Gerichte. Vor dem Amtsgericht wurden wir freigesprochen und der Kläger rollte alles nach einem Rechtsanwaltwechsel wieder auf und versuchte es in der nächsten Instanz, dem Landesgericht. Dort fanden der gesamte Prozess und die aufreibende Geschichte ein Ende. Wir wurden auch dort freigesprochen und die Gerichtskosten wurden auf den Kläger überschrieben.
Nachdem alles überstanden war und man zuhause wieder voll in den Alltag übergegangen war, konnten wir aufatmen und alles Revue passieren lassen. Bis heute hat mich dieser Vorfall geprägt.
Letztes Jahr am 2.August kam dann die überraschende Wende. Einen Tag zuvor war noch alles in Ordnung. Bis auf die Alterserscheinungen ging es Benno sehr gut und er war täglich fröhlich dabei. Von einem Tag auf den anderen ging es ihm sehr schlecht. Die Muskeln in seinen Hinterläufen bauten sich völlig ab, die Nerven konnten ihn nicht mehr aufrecht halten und der Krebs hatte seinen Tribut gefordert. Nun kam der schwerste und best überlegste Schritt für mich und Benno. Ich hatte zuvor immer geschworen sein Leben nicht aus egoistischen Gründen sinnlos zu verlängern. Er zeigte mir, dass es Zeit wurde und das ihm die Kraft verloren ging.
Die Entscheidung ihm von seinem Leiden schnell zu erlösen fiel mir sehr schwer, doch mit Unterstützung meines Tierarztes und den traurigen Augen meines Hundes entschied ich mich ihn gehen zu lassen. Am 10.August.07 hieß es den Mut zu fassen, genau das zu tun, was für Benno am aller besten war. Und genau diese Entscheidung dankte er mir mit jeder Minute. Katrin stand mir an diesem Tag bei und kam extra mit zum Tierarzt. Obwohl Benno niemals zuvor freiwillig und schon gar nicht ohne Zögern in die Praxis ging, so fasste er an diesem Tag den Mut und die Entschlossenheit und ging einfach mit mir durch. Ich hatte das Gefühl das er eher mich unterstützte und mir Kraft gab, als das es anders rum der Fall gewesen wäre. Genauso stärkte mir Katrin an diesem Tag total den Rücken und half mir wo sie nur konnte.
Benno war ganz ruhig und schlief dann mit seinem Kopf in meinen Händen ganz langsam ein. Ich merkte wie ihm der Schmerz genommen wurde und er sich völlig entspannte. In diesem Moment gab es keinen schlimmeren Augenblick und doch war es genau so wie ich es mir vorgestellt hatte.
Zuhause bekam er ein extra von meinem Vater ausgehobenes Grab mit seinen eigenen Pflanzen und konnte so in seinem Reich seine verdiente Ruhe finden.
- Benno, Traumhund und Weggefährte fürs Leben -